Gummibärchen

383205269_d0ea6b2a18Freilebende Gummibärchen gibt es nicht. Man kauft sie in Packungen an der Kinokasse. Dieser Kauf ist der Beginn einer fast erotischen und sehr ambivalenten Beziehung Gummibärchen-Mensch. Zuerst genießt man. Dieser Genuß umfaßt alle Sinne. Man wühlt in den Gummibärchen, man fühlt sie. Gummibärchen haben eine Konsistenz wie weichgekochter Radiergummi. Die Tastempfindung geht auch ins Sexuelle. Das bedeutet nicht unbedingt, daß das Verhältnis zum Gummibärchen ein geschlechtliches wäre, denn prinzipiell sind diese geschlechtsneutral. Nun sind Gummibärchen weder wabbelig noch zäh; sie stehen genau an der Grenze. Auch das macht sie spannend. Gummibärchen sind auf eine aufreizende Art weich. Und da sie weich sind, kann man sie auch ziehen. Ich mache das sehr gerne. Ich sitze im dunklen Kino und ziehe meine Gummibärchen in die Länge, ganz ganz langsam. Man will sie nicht kaputtmachen, und dann siegt doch die Neugier, wieviel Zug so ein Bärchen aushält. Gummibärchen weiterlesen

St. Petersburg

st-peterburg-canalKaum standen am folgenden Tage die hohen Felsengipfel im Glanz des Sonnenlichts, so hüpfte Gustav aus dem Bette und fand – wem kommt dabey nicht das ehemahls selbst genossene kindische Entzücken beym Anblick des Weihnachtsgeschenks ins Gedächtniss? – einen netten Anzug auf dem Stuhle am Bette, den die Gattinn des Schultheissen von den Söhnen eines im Flecken wohnenden Edelmannes, einstweilen angenommen hatte, da sich nicht so schnell, als sie es jetzt wünschte, die Nähnadeln zu Buchenthal in Bewegung setzen liessen. Ewalds hatten ein Weilchen auf das Benehmen des kleinen Lieblings gelauscht, und öffneten das Gemach, als sich eben seine Empfindungen in ein lautes »Ach wie schön!« auflösten. »Guten Tag, Papa, guten Tag, Mama!« schluchzte Gustav, und eilte den Kommenden entgegen, um mit tausend Händeküssen ihnen Dank und Liebe zu zollen. Die guten Alten staunten bey dem seltenen Feingefühl eines so kleinen Knaben, und hätten von diesem Augenblicke gegen die Schätze von Golconda, dem aufgenommenen Pflegling nicht entsagt. Die muthigen Apfelschimmel stampften schon ungeduldig im Hofe den Boden. Gustav stack geschwind mit Ewalds Hülfe in dem ganz passenden Anzuge, und glich einem jungen Liebesgott

Kuchenfuttern

bei Marty 🙂

hmmm...
hmmm…

Weit hinten, hinter den Wortbergen, fern der Länder Vokalien und Konsonantien leben die Blindtexte. Abgeschieden wohnen Sie in Buchstabhausen an der Küste des Semantik, eines großen Sprachozeans. Ein kleines Bächlein namens Duden fließt durch ihren Ort und versorgt sie mit den nötigen Regelialien. Es ist ein paradiesmatisches Land, in dem einem gebratene Satzteile in den Mund fliegen. Nicht einmal von der allmächtigen Interpunktion werden die Blindtexte beherrscht – ein geradezu unorthographisches Leben. Eines Tages aber beschloß eine kleine Zeile Blindtext, ihr Name war Lorem Ipsum, hinaus zu gehen in die weite Grammatik. Der große Oxmox riet ihr davon ab, da es dort wimmele von bösen Kommata, wilden Fragezeichen und hinterhältigen

Semikoli,

doch das Blindtextchen ließ sich nicht beirren. Es packte seine sieben Versalien, schob sich sein Initial in den Gürtel und machte sich auf den Weg. Als es die ersten Hügel des Kursivgebirges erklommen hatte,  zurück auf die Skyline seiner Heimatstadt Buchstabhausen, die Headline von Alphabetdorf und die Subline seiner eigenen Straße, der Zeilengasse. Wehmütig lief ihm eine rethorische Frage über die Wange, dann setzte es seinen Weg fort. Unterwegs traf es eine Copy. Die Copy warnte das Blindtextchen, da, wo sie herkäme wäre sie zigmal umgeschrieben worden und alles, was von ihrem Ursprung noch übrig wäre, kirsch-schokoladen-kuchensei das Wort „und“ und das Blindtextchen solle umkehren und wieder in sein eigenes, sicheres Land zurückkehren. Doch alles Gutzureden konnte es nicht überzeugen und so dauerte es nicht lange, bis ihm ein paar heimtückische Werbetexter auflauerten, es mit Longe und Parole betrunken machten und es dann in ihre Agentur schleppten, wo sie es für ihre Projekte wieder und wieder mißbrauchten. Und wenn es nicht umgeschrieben wurde, dann benutzen Sie es immernoch.

Geburtstag von …

„Das erste, was ich sagen möchte, ist ein herzliches Wort des Dankes an meine Freunde im Evangelischen Arbeitskreis, die in diesen Jahrzehnten – in diesem Jahr begehen wir noch ein wichtiges Erinnerungsdatum an Hermann Ehlers – eine grossartige Arbeit für unsere Sache geleistet haben. Der Evangelische Arbeitskreis hat in schwierigen Zeiten unserer Partei vor allem einen wichtigen Dienst geleistet, er hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, die Herausforderung des Tages zu begreifen, dass aber Politik, die hinführt zur Staatskunst, immer auch eine prinzipielle Begründung haben muss, dass sie standhalten muss den Anfragen nicht zuletzt aus der jungen Generation nach der Grundordnung, nach den Wertmassstäben, an denen sich Politik ausrichtet.“

Helmut Kohl, 12.2.1984